Henry-Alexander Hübener (GER 1734)
nach einer kurzen Verschnaufpause hier die letzte Nachricht zu Henrys WM-Teilnahme.
Henry ist wohlbehalten von der WM zurück. Er konnte viele Eindrücke sammeln, von denen er noch lange zehren wird. Er ist außerordentlich gut gelaunt und happy über seine Erlebnisse. Er schaffte sich sogar gegen die 290 besten Optisegler der Welt zu behaupten und erkämpfte letztendlich den 25. Platz in der Gesamtwertung.
Henry hat hier noch einige Eindrücke für uns festgehalten:
WM in der Bootsklasse Optimist – Henry-Alexander Hübener (GER 1734)
Direkt nach der Schule am Donnerstag, den 12. Juni 2025, ging es los!
Ab zur Trainingsregatta nach Portorož in Slowenien. Zusammen mit meinem Berliner Segelfreund Niklas Pape vom VSAW brachte uns sein Vater mit unseren beiden Optis nach Portorož. Mit einem kleinen Umweg in die Nähe von Leipzig haben wir noch Jonny Seekamp, ebenfalls Teil des fünfköpfigen WM-Teams, abgeholt. Das Schlauchboot des Trainers und Jonnys Boot haben wir nebenbei auch noch in der Nähe von München eingesammelt und waren nun voll bepackt. Nach einer kurzen Übernachtung in einem Gasthof in Bayern konnten wir unseren Weg fortsetzen.
Am Freitag, als wir in Portorož ankamen, ging es direkt los: Das Schlauchboot trailern, Boote klarmachen und ab aufs Wasser.
An dieser Stelle möchte ich Florian Pape ganz besonders danken, denn ohne ihn wäre diese, fast unglaubliche Anreise, nicht möglich gewesen.
Nach kurzer Vorstellung der Trainer ging es sofort aufs Wasser. Die Trainingsregatta zeigte mir, dass die Revierbedingungen hier ganz anders sind, als ich es sonst gewohnt bin: starke Strömung, relativ wenig Wind und im Verhältnis große Wellen machten mir schon etwas zu schaffen.
Das Regattawochenende lief insgesamt nach Plan und wie üblich ab. Am Montag nach dem Segeln brachten uns die WM-betreuende Trainerin Alexa Hausotter gemeinsam mit dem Berliner Niklas zum Flughafen Triest. Meine Mutter nahm uns dort in Empfang und wir flogen weiter nach Berlin. Kurz vor Mitternacht landeten wir etwas holprig mit einem harten Aufsetzer am BER in Schönefeld.
Nach knapp einer Woche Schule und einigen nachzuschreibenden Klassenarbeiten ging es am Freitag, den 20. Juni, wieder mit dem Flugzeug nach Triest. Gut, dass wir zu Hause kurz Pause machen konnten, denn in Slowenien herrschten bereits über 33°C, und ich konnte mir noch eine kurze Hose einpacken. Ein ganz schönes Pensum und wie aufregend diese Zeit war.
Kaum in Triest gelandet, fuhren wir zum Club Pirat nach Portorož.
Die nächsten Tage erkundeten wir das Revier und absolvierten ein effizientes Training. Schnell wurde klar, dass mir das Revier zwar aus den Ostertrainingslagern der SGaM bekannt ist, aber hier Sportler am Start sind, die aufgrund der Gezeitenströmung noch öfter im Vorteil sind und das Revier noch besser beherrschen.
Die Eröffnungsfeier war sehr berührend. Stolz liefen wir mit unserer Landesflagge ein und wurden gefeiert.
Was für ein bewegender Moment…
Am 28. Juni 2025 begann endlich der Wettkampf. Die ersten beiden Tage segelten wir die Qualifikation in den Fleets Gold, Silber, Bronze und Emerald aus. Am ersten Tag lief es noch gut, am zweiten jedoch verlor ich nach einem verbesserungswürdigen Start meine Spriet, und das Feld fuhr an mir vorbei. Glücklicherweise schwamm sie und ging nicht unter, trotzdem bedeutete das den letzten Platz.
Die folgenden Tage lief es besser, und ich konnte mich langsam vorarbeiten. Die Konkurrenz ist so stark, dass der kleinste Fehler viele Plätze kostet.
Ich habe hier gelernt, wie hoch das Niveau ist und wie schwer es ist, an Gegnern vorbeizufahren. 62 Nationen waren vertreten, und wir hatten eine tolle Zeit. Alle verstanden sich sehr gut. Schließlich schaffte ich den Einzug ins Goldfleet.
Am dritten WM-Tag stand Team-Race auf dem Programm. Im ersten Rennen gewannen wir klar gegen Zypern, im zweiten unterlagen wir Argentinien und schieden erst einmal aus. Der nächste Tag war somit für uns frei. Das tat nach den intensiven Tagen auch mal ganz gut. Wir gingen in den Kletterpark und machten uns den Kopf frei.
Witzig fand ich, dass in Portorož überall Plakate für die nächsten Events des austragenden Clubs hingen, auf denen sogar ein Bild von mir drauf war.
Mit dem fünften Tag begann die Finalserie, und zunächst lief es ganz gut. Doch erneut kämpfte ich mit der Strömung. Die Sportler aus Gezeitenrevieren hatten klar den Vorteil, was mich motiviert, das künftig mehr zu trainieren.
Drei intensive Finaltage lagen vor uns. Wir mussten uns immer wieder auf leichten Wind und lange Wartezeiten einstellen. Am zweiten Tag ermöglichte der schwache Wind nur eine einzige Wettfahrt; wir standen lange auf dem Wasser und warteten. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus, und die Stimmung im Team schwankte. Am dritten und letzten Tag wurde der Start extra vorverlegt, doch es blieb windstill, so dass erneut nur 1 Rennen gesegelt werden konnte. Trotzdem erreichten wir alle ordentliche Platzierungen. Aus dieser Woche nehme ich nicht nur seglerische, sondern auch persönliche Erkenntnisse mit.
Die Finalserie beendeten wir als Elftplatzierte von 62 Nationen.
Vorneweg auf Platz 8 Jonny Jaap Seekamp. Ich belegte Platz 25.
Mein Berliner Segelfreund Niklas Pape Platz 96.
Quirin Alexander Waizenhöfer Platz 118.
Und Lasse Bendt Kliewe Platz 130.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Gesamtergebnis.
Vor allem aber hat es riesigen Spaß gemacht, mit diesem großartigen Team für Deutschland anzutreten.
Die Abschlussveranstaltung war unglaublich. Wir tauschten in ausgelassener Stimmung Trikots mit Sportlern anderer Nationen.
Es war ein tolles WM-Team unter der Leitung von Sven Stadel und Alexa Hausotter bei denen ich mich für die tolle Betreuung bedanken möchte.
Ich möchte mich außerdem bei meinen heimischen Trainern Christian Kühn und Marco Rotter von der Seglergemeinschaft am Müggelsee, Jan Müller vom Berliner Seglerverband, bei meinen Eltern sowie bei allen Mitwirkenden und Unterstützern bedanken, die mir diese Reise ermöglicht haben.
Ich werde noch eine ganze Weile brauchen, bis sich das alles real anfühlt. Ich freue mich sehr, dass ich diese Erfahrung machen durfte.
Vielen Dank für die tollen Eindrücke und viele Grüße
Euer Henry





